Die größten Rocksongs – Storys zu den Hymnen

Die größten Rocksongs – Storys zu den Hymnen

Transkript

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00:00:00: Hits entstehen ja auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

00:00:03: In diesem Fall war die Musik schon fast komplett geschrieben, aber es gab noch keinen Singer.

00:00:07: Der ist später erst dazugekommen und das Video hat den Tierschutz wahnsinnig aufgeregt!

00:00:13: Eine interessante Geschichte, die wir euch jetzt erzählen?

00:00:16: Ich bin Carsten Weyers

00:00:17: Und ich bin Laura Schallenberg, ja heute geht es um Epic von Faith No More.

00:00:21: Das ist eine Band die Funk-Metal Hip Hop Pop und Einflüsse aus dem Postpunk so selbstverständlich zusammenbringt als hätten die Genres schon immer zusammengehört!

00:00:45: Wir gucken uns zunächst mal die Entstehung an.

00:00:47: Als Faith no more an ihrer dritten Platte The Real Thing arbeiten, steckt die Band mitten in einer entscheidenden Übergangsphase – denn Sänger Chuck Mosley gehört nicht mehr zur Besetzung!

00:01:00: Was ist Billy?

00:01:01: Goldschlagzeuger Mike Borden?

00:01:03: Keyboarder Roddy Bottom und Kitarist Jim Martin entwickeln das neue Material für das Album erstmal ohne festen Frontman.

00:01:12: Als Mike Petten dazu kommt, sind große Teile der Musik bereits ausgearbeitet.

00:01:17: Petten ist damals erst Anfang zwanzig und singt parallel auch noch bei der Band Mr.

00:01:22: Bungle.

00:01:23: Bis zum Beginn der Aufnahmen bleiben ihm nur jetzt noch ungefähr zwei Wochen, um die Texte zu schreiben Und schon auf den fertigen Aufnahmen fällt seine ungewöhnliche stimmliche Bandbreite auf.

00:01:33: Er wechsel zwischen aggressiven Sprechgesang, schrillenlauten und melodischen Passagen.

00:01:39: Wie genau die Band seine Texte- und Gesangsideen entwickelt lässt sich nicht mehr so richtig rekonstruieren.

00:01:45: Fest steht ab dass Petten den bereits vorhandenen Stücken in sehr kurzer Zeit eine unverwechselbare Stimme gibt.

00:01:53: Epic beginnt dabei nicht als sorgfältig geplanter Hit, Billy Gold umschreibt den Ursprung später als ein Riff das bei einer Probe zwischen ihm Roddy Button und Mike Borden entsteht.

00:02:05: Die drei bauen das Ganze weiter aus, ordnen die einzelne Teile und formen daraus schließlich ein kompletten Song.

00:02:12: Auch das berühmte Klavierende gehört bereits früh zur musikalischen Idee des Stücks – in der fertigen Aufnahme wird der Klavierpart dann zu einem der auffälligsten Momente des Songs!

00:02:21: Der spätere Songtitel Epic ist innerhalb der Band erstmal nur so eine Art Code-Wort.

00:02:27: Gold erklärt später, dass der Song einfach so groß und überladen und fast schon absurd und monumental gewirkt hat.

00:02:35: Dass es einfach episch war und das die passendste Beschreibung sozusagen war.

00:02:40: Der Name bleibt aber auch irgendwie hängen obwohl das Wort Epic im ganzen Songtext überhaupt nicht vorkommt.

00:02:46: Aufgenommen wird die Nummer in Kalifornien.

00:02:48: Die Band spielt die Stücke zunächst gemeinsam ein, vor allem um Mike Borden Schlagzeug festzuhalten.

00:02:55: Danach werden viele Instrumentarspuren noch einmal neu aufgenommen.

00:02:59: Produzent des Ganzen ist Matt Wallace und der arbeitet dabei komplett analog und schneidet das Tonband teilweise sogar mit der Rasierklinge.

00:03:09: Das ist mal wirklich old school!

00:03:12: Der ganz besondere Sound entsteht aber jetzt weniger durch irgendwelche komplizierten Studio Tricks, ist auch irgendwie klar wenn er da so analog arbeitet.

00:03:21: Sondern eher durch die Art wie die Band am Ende spielt.

00:03:24: Wallace schätzt später dass neunzig bis fünfneunzig Prozent des Schlagzeugklangs direkt von Mike Borden kommen.

00:03:32: Seine großen vergleichsweise tiefgestimmten Toms und sein kraftvoller Anschlag prägen den schweren ja schon fast... körperlichen Rhythmus des Songs.

00:03:41: Auch Billy Goals Bass ist entscheidend, den spielt er ziemlich hart und bei den Aufnahmen wird sein Signal noch zusätzlich übersteuert so dass der Bass gleichzeitig Groove und Verzerrung liefert.

00:03:52: Bei Epic liegt er nicht einfach nur unter der Gitarre wie das sonst ja häufig ist bei Songs sondern drängt sich regelrecht nach vorne.

00:04:01: Und gerade die Gitarre war auch so ein bisschen ein Problem, denn die Suche nach Jim Martins Gitarren-Sound war schwieriger.

00:04:07: Martin and Wallace verbringen mindestens einen Tag damit verschiedene Mikrofone und Positionen zu Klangmöglichkeiten auszuprobieren – und als sie dann endlich zufrieden sind mit dem Sound, sperren Sie den ganzen Aufbau mit Polizeiband ab, damit da ja keiner noch in irgendeiner Form verstellt.

00:04:26: Es gibt ja so eine schöne Anekdote, die Wallace später einmal selbst erzählt.

00:04:30: Martin und er beginnen ihre Gitarrenarbeit regelmäßig mit Ennio Morricone's Thema aus dem Westernfilm zwei glorreiche Halunken ein absolut kultiger Stück.

00:04:41: Sie wollen den Klang nicht kopierend schaulen aber nach demselben Gefühl von Größe immer sozusagen weite und auch dramatischer Landschaft.

00:04:50: Und das erklärt zumindest teilweise warum Epec trotz seines trockenen.

00:04:59: auch Mike Patton's Stimme wird dabei ziemlich kompromisslos behandelt.

00:05:03: Wallace komprimiert sie sowohl bei der Aufnahme als auch später im Mix stark, damit sie sich einfach gegen die Gitarren und Bass- und Schlagzeug- und Keyboard behaupten können.

00:05:13: Zurückhaltend ist das natürlich nicht aber genauso klingt Patton eben direkt und aggressiv.

00:05:20: Und am Ende treffen dann so auf engstem Raum, kann man sagen mehrere musikalische Welten aufeinander.

00:05:24: wir haben die harten Gitarren Wir haben diesen funkigen Bass, wir haben diese schwere Tom-Tom Rhythmen wir haben elektronische Keyboardflächen und Pattons vom Hip Hop beeinflusster Sprechgesang.

00:05:36: also man kann feststellen Epic verbindet wirklich ganz unterschiedliche Ebene.

00:05:41: Das ist ganz schön episch.

00:05:44: Der Text von Epic dreht sich vor allem um ein konsequent nicht näher bezeichnetes S. Immer wieder stellt Patten sinngemäß die Frage, what is it?

00:05:54: Das Objekt der Begierde bleibt für uns unsichtbar – man kann es wollen spüren oder bei nah sogar erreichen aber eben nicht festhalten.

00:06:02: und genau dadurch bleibt der Text eben auch offen für irgendwelche Deutungen in die unterschiedlichsten Richtungen.

00:06:08: Man kann darin Erfolg sehen!

00:06:10: Konsum macht Abhängigkeit oder ganz allgemein die Sehnsucht nach etwas das unerreichbar bleibt.

00:06:16: Diese Offenheit bedeutet aber nicht, dass Mike Patton selbst keine genaueren Vorstellungen hatte.

00:06:22: In einem neunzehntneunzig veröffentlichte Interview mit dem Magazin Circus, das in später Veröffentlichung mehrfach zitiert wird, beschreibt Patton das Thema als sexuelle Frustration.

00:06:34: An diesem Zusammenhang bringt er den Song außerdem mit Sex fehlendem Sex und Masturbation in

00:06:39: Verbindung.".

00:06:41: Bei dieser Erklärung bekommt dann das unbestimmte S eine deutlich körperliche Bedeutung.

00:06:46: Das Verlangen ist da, aber die Befriedigung bleibt aus oder hält eben nicht an.

00:06:51: Der Text schwankt ständig zwischen Nähe und Unerreichbarkeit – etwas befindet sich halt direkt voreim, aber man kann es trotzdem nicht haben oder

00:07:00: erreichen.".

00:07:01: Spannend ist der Gegensatz zwischen Inhalt und Präsentation.

00:07:04: Patton behandelt diese Frustration nicht in Form einer langsamen, nachdenklichen Ballade.

00:07:10: Er rappt, schreit, jault und zieht einzelne Silben völlig übertrieben in die Länge.

00:07:15: Epic lässt sich gleichwertig wie ein Siegeslied und wie ein Song über das Nicht bekommen

00:07:21: hören.".

00:07:21: Ein wesentlicher Anteil am Durchbruch hat auch das offizielle Musikvideo-Regie führt.

00:07:27: der südafrikanische Filmemacher Ralph Siemann erzählt keine klassische Geschichte, sondern zeigt die Band in einer Folge surrealer Performance-Bilder.

00:07:37: Das ist dann künstlerischer Starkregen intensiver Farben, verfremdete Landschaften ein Klavier und eine Szenerie, die im Laufe des Videos immer weiter

00:07:46: eskaliert.".

00:07:56: Stattdessen bekommen wir quasi eine visuelle Reizüberflutung.

00:08:00: Genau wie die Musik stellt das Video Metal, Hip-Hop-Posen, Surrealismus und schwarzen Humor einfach

00:08:05: nebeneinander.".

00:08:06: Für Fans gibt es auch noch ein paar Hinweise auf die Geschichte der Band.

00:08:10: Jim Martin trägt zum Beispiel einen Shirt zu Ehren des nineteenhundertsechsundachtzig verstorbenen Metallikerbassisten Cliff Burton mit dem er befreundet war – und Mike Patton trägt ein Mr.

00:08:21: Bungle-Shirt hat mir ja gesagt in der Band hatte er gleichzeitig gesungen.

00:08:25: am Anfang!

00:08:26: Die berühmteste

00:08:26: Szene, die wir zu Beginn ja schon kurz erwähnt haben kommt am Ende des Videos.

00:08:31: Roddy Bottom spielt das ruhige Klaviermotiv während immer wieder ein Außerhalb des Wassers zappelnder Fisch zu sehen ist.

00:08:39: Danach explodiert das Klavier in Zeitlupe.

00:08:43: Billy Gold beschreibt die Idee später sinngemäß als Versuch mit möglichst wenig Geld, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen und das funktioniert!

00:08:53: Aber auch Tierschutz-Koppen auf den Plan.

00:08:56: Ja, völlig klar!

00:08:57: Rund um dem Fisch entsteht später eine kuriose Legende – angeblich soll er Björk gehört haben die damals noch bei der isländischen Band The Sugar Cubes singt.

00:09:07: Je nach Version bekommt Feldnummer den Fisch von ihr oder sie haben ihn auf einer Party gestohlen?

00:09:14: Die Band trägt in Interviews aber auch wirklich selbst dazu bei, dass unterschiedliche und vor allem auch offensichtlich scherzhaft erzählte Varianten zu dieser Geschichte kursieren.

00:09:41: Kulturlegende geworden

00:09:43: ist.

00:09:44: Aber auch so bleibt man im Gespräch.

00:09:45: Ja

00:09:46: absolut, absolut!

00:09:47: Simon widerspricht außerdem der Vorstellung dass ein einzelner Fisch bei der Aufnahme zu lange an Land gelegen hat oder sogar geopfert wurde.

00:09:56: nach seiner späteren Darstellung werden mehrere Fische eingesetzt.

00:10:00: sie befinden sich jeweils nur kurz außerhalb des Wassers und werden nach dem Dreh wieder freigelassen.

00:10:05: und obwohl häufig von einem Goldfisch geredet wird erklärt Simon später ausdrücklich das es sich in seiner Erinnerung zumindest nicht um ein goldfisch gehandelt hat.

00:10:16: Goldfisch hin oder her ist vollkommen egal.

00:10:17: feststeht, der Song wurde ein Erfolg und damit war von Anfang an nicht unbedingt zu rechnen denn das Ding überhaupt mal als Single erscheint war nicht selbstverständlich den.

00:10:27: die erste Auskupplung aus dem Album damals From out of nowhere hat die Erwartung überhaupt gar nicht erfüllt.

00:10:33: Das Label hat entsprechend wenig Hoffnung und lässt die Band den nächsten Kandidaten einfach selbst auswählen, sondern dem Motto kann ja kaum schlimmer werden.

00:10:41: Faith no more entscheiden sich dann für epic weil sich der Song für die Musiker am natürlichsten anfühlt.

00:10:48: Nicht weil sie darin einen offensichtlichen Welttecken.

00:10:51: Ganz genau auch Matt Wallace hält das Stück gar nicht für einen offensichtlichen Radio-Hit.

00:10:56: Die Albumfassung enthält eine ungewöhnlich lange Instrumentalpassage, ein dichten Mix und ziemlich viele Elemente die gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen.

00:11:05: Als das Label später einen kürzeren und stärker auf Pop und Radio zugeschnittenen Single-Mix bestellt ist die ursprüngliche Version aber schon auf Erfolgskurs.

00:11:15: Die neue Mischung wird schließlich nicht verwendet weil die Album Fassung eben einfach schon lange die bekannte Version der Songs ist.

00:11:22: Die Albumfassung erreicht Platz neun, der amerikanischen Billboard Hot One Hundred.

00:11:27: die Single-Version, die ausgekoppelt wurde, ist außerdem in den USA mit Gold ausgezeichnet worden.

00:11:34: In Australien steht Epic drei Wochen lang auf Platz eins und Großbritannien läuft der erste Anlauf so ein bisschen bescheiden.

00:11:40: Im Februar of ninezig erreicht die Single zunächst nur Platz sieben Dreißig der offiziellen Charts.

00:11:46: eine spätere Wiederveröffentlichung schafft es September, dann aber immerhin noch auf Platz.

00:11:52: Dazu ist Epic für ein Grammy nominiert.

00:11:55: Gewinn kann sie die Band nicht oder ihnen die band nicht, aber allgemein.

00:11:59: die Nominierung zeigt natürlich wie schnell zunächst einen nicht so gut einzuordnen das Song mitten im musikalischen Mainstream landet.

00:12:07: Die Reaktionen bleiben aber geteilt und es liegt daran dass der Song Steelmittel verbindet, die viele Hörerinnen und Hörern in den Jahrhunderten noch völlig unterschiedlich eingeordnet haben.

00:12:17: also wir haben die Metalgitarre, wir haben dem Funkrhythmus Wir haben die Rap-Vocals, Synthesizer und ein klassisch anmutendes Klavierende.

00:12:28: Für die einen klingt das neu und befreiend für andere wirkt es überladen oder künstlich.

00:12:33: Produzent Wallace beschreibt Epic rückblickend als typischen Entwederoder Song.

00:12:39: Man liebt ihn oder man hasst den.

00:12:40: Musikhistorisch wird Epic heute oft als wichtiges Bindeglied zwischen der Funk-Metal und Alternative Szene, der Achtziger und dem späteren Rap Metal bzw.

00:12:51: New Metal eingeordnet.

00:12:53: Der Song erfindet diese Mischform natürlich nicht alleine – schon vorher verbinden verschiedene Gruppen Rap-, Funk- und harte Gitarren.

00:13:01: Epic zeigt aber besonders öffentlichkeitswirksam das Metalgitan, Hip Hop Frasierungen, Funkbass und Pop-Reform gleichzeitig in einem Mainstreamhit funktionieren können.

00:13:11: Am Anfang stehen also zunächst mal scheinbare Widersprüche, am Ende erklären aber vielleicht genau die den Erfolg des Songs.

00:13:20: Mike Patton schreibt den Text unter großem Zeitdruck auf eine Musik, die weitgehend ohne ihn entstanden ist – trotzdem wird seine Stimme zum auffälligsten Merkmal des Songs!

00:13:30: Ein später angelieferter, starker auf Pop und Radio zugeschnittener Mix wird gar nicht mehr verwendet weil die Albumfassung bereits erfolgreich ist.

00:13:38: Epic funktioniert also nicht trotz seiner Ecken sondern wahrscheinlich gerade wegen den Elken!

00:13:45: Das definitiv und deswegen würde ich sagen, für uns ist Epic nicht nur ein großer Rock-Song der frühen Neunziger.

00:13:51: Der Song zeigt einfach dass ein Hit nicht zwangsläufig durch Vereinfachungen entsteht.

00:13:56: Manchmal entsteht er weil eine Band alles gleichzeitig zulässt.

00:14:00: Funk, Metal, Rap, Pop, Partos, Humor und natürlich ein Klavier das am Ende explodiert!

Über diesen Podcast

Wir können sie alle mitsingen, aber wissen wir wirklich immer worum es geht und wie sie entstanden sind? Im RADIO BOB! Original Podcast "Die größten Rocksongs – Storys zu den Hymnen" nehmen Euch die BOB-Moderatoren mit auf eine musikalische, textliche und z.T. historische Reise. Ihr erfahrt alle Fakten und persönliche Anekdoten zu den Rocksongs, die die Rockwelt geprägt haben.

Jede Woche eine neue Folge - jede Woche eine neue Hymne.

von und mit RADIO BOB!

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